Sind wir schon im Euro angekommen?

Man muss sich immer noch die Frage stellen, ob wir gedanklich schon im Euro angekommen sind. Man hat nicht nur über ein Jahrzehnt so getan, als könnten Nationalstaaten in einer Währungsunion in der Finanz- und Wirtschaftspolitik völlig souverän bleiben, man tut vor allem immer noch so, als ob jeder Staat eine eigene Währung hat. Man ignoriert nach wie vor, dass die Regelungsprozesse in einem Staat in einer Währungsunion gänzlich andere sind, als in einem mit einer eigenen Währung. Man ignoriert nach wie vor, dass der Regelungsprozess einen Staat in Folge seiner Schulden, selbst wenn sie Anfangs nur das Niveau der Maastricht Kriterien hatten, strangulieren können, da der Staat nur ein kleiner Teil des Währungsraum ist. Es scheint in diesem Zusammenhang auch niemand nachdenklich zu werden, wenn die Amerikaner mit ihren höheren Schulden weniger Probleme haben und dabei auf Ebene der Bundesstaaten nur eine Verschuldungsquote von rund 20% aufweisen und die Masse der hohen Gesamtverschuldung auf Ebene des Währungsraumes konzentrieren. Man scheint immerhin so langsam zu realisieren, dass eine Schuldenhaftung auf Staatsebene, auch eine Strategie für eine Insolvenz des Staates erfordert. Aber dass dafür auch eine Finanzmarktordnung erforderlich ist, die schwerste Schockwellen verdauen kann, scheint bis auf zaghafte Versuche zur Aufschüttung der Eigenkapitaldämme auch noch nicht durchgedrungen zu sein.