Ist der Flirt der deutschen Zentralbank mit einer höheren Inflation der Einstieg in den Abstieg?

Auf den ersten Blick erscheint eine erhöhte Inflation in den gesunden Staaten der Eurozone ein durchaus attraktives Szenario zu sein. Ihr Ziel ist die Entlastung der Krisenstaaten. Die Inflation in den starken Staaten der Eurozone dient der Abwertung des Euro. Diese Abwertung der Währung brauchen die Krisenstaaten, um ihre Löhne und Schulden zu entwerten. Die Löhne könnten die Krisenstaaten gegen einen starken Widerstand in der eigenen Bevölkerung wohl auch so vom Betrag her senken. Bei den Schulden geht das aber nicht ohne einen Schuldenschnitt. Deswegen droht den Krisenstaaten ohne die Abwertung der Währung auch die gefährliche Abwärtsspirale durch die Regelungsprozesse in der Krise.

Die Gefahr besteht natürlich, dass die Bürger der gesunden Staaten, die ihre Inflation hoch treiben, nicht auf die Inflation vorbereitet sind und entsprechend erhebliche Vermögensverluste hinnehmen müssten. Im besten Fall würden die Inflationserwartungen angepasst und entsprechend antizipiert. Dann sollte der deutsche Staat aber zumindest seine Besteuerung von nominellen Kapitalgewinnen überdenken, damit der Steuerzahler dann nicht für die Krisenstaaten zahlt. Im besten Fall gäbe es dann in den gesunden Staaten nur die typischen Reibungsverluste einer höheren Inflation. Dass es sie gibt, scheint unbestritten zu sein. Es könnte aber auch sein, dass die Verbindung aus Inflation und Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zur Eurozone den Optimismus und damit die Konjunktur in den gesunden Staaten zum Kippen bringen könnte.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie der Euroraum langfristig verfahren soll. Es ist wahrscheinlich, dass sich immer irgendwo ein Mitgliedsstaat in einer mehr oder weniger ausgeprägten Anpassungskrise befindet. Sollen deswegen dann immer alle anderen Staaten eine höhere Inflation in Kauf nehmen? Dann gäbe es immer eine hohe Inflation und der Euro würde zu einer inflationären Weichwährung. Dann würden sich die Inflationserwartung aber auch in hohen Zinsen niederschlagen. Dann wären Krisenstaaten aber wieder in der gleichen Situation wie heute. Die hohen Zinsen, die die Inflation vorwegnehmen, würden im Falle der Lohnzurückhaltung die Schulden weiter steigen lassen. Der Effekt, durch die Inflation eine regionale Währungsabwertung zu ersetzen, würde nicht mehr funktionieren.

Damit handelt es sich auch bei dieser Inflationsüberlegung wieder nur um einen möglichen Einmaleffekt. Und diesen Einmaleffekt werden die einfachen Sparer in den gesunden Staaten teuer bezahlen müssen. Vielleicht würde auch die Konjunktur schwer darunter leiden. Da wäre es ehrlicher, die Transfers direkt aufzubringen und zur Absenkung der Schuldenlast der Krisenstaaten zu verwenden. Es gibt gute Gründe warum die Wertstabilität einer Währung immer ein hohes Gut war. Daran sollten wir festhalten. Zumal es auch nicht einfach ist, die Inflation und die damit verbundenen Ängste wieder zu vertreiben, wenn man sie nicht mehr braucht.