Wenn Amerika das Vertrauen des Auslandes verliert

Die ausländischen Gläubiger halten Staatsanleihen der USA in der Größenordnung von ungefähr 4,5 Billionen US-Dollar. Bisher ging man immer davon aus, dass dies die Amerikaner nicht wirklich gefährden würde. Denn wollten diese Gläubiger auf einmal aus dem Dollar hinaus, so würde dies einen erheblichen Abwertungsdruck erzeugen, so dass die Dollaranleihen und damit die Schulden des Staates massiv an Wert verlieren würden. Nicht umsonst hat China die USA aufgefordert, verantwortungsvoll mit dem Wert des Dollars und damit mit dem Wert der Staatsanleihen in ausländischer Hand umzugehen. Aber sind die ausländischen Gläubiger tatsächlich so von dem Verhalten der Amerikaner abhängig?

Was würde passieren, wenn die Anleihegläubiger innerhalb des Dollars umschichten würden? Das würde keinen Abwertungsdruck erzeugen. Dafür kämen zum Beispiel die Aktien international agierender Konzerne oder auch ausländische Vermögenswerte in der Hand amerikanischer Investoren in Frage. Bei einem international agierenden amerikanischen Unternehmen sollte sich die Folge einer Abwertung nicht so stark auf seinen realen Wert auswirken – einerseits weil es einen wesentlichen Teil seines Geschäftes im internationalen Umfeld tätigt und andererseits weil sich mit einem sinkenden Dollar auch ihre inländischen Kosten entsprechend verringern würden. Aus gutem Grund investiert Japan oder auch Norwegen seine Außenhandelsbilanzüberschüsse zu wesentlichen Teilen in ausländische Realwerte und nicht in ausländische Staatsanleihen. Würde es den ausländischen Gläubigern gelingen, hinreichend viele ihrer Dollaranleihen in Realwerte, die nur unwesentlich von der wirtschaftlichen Lage in den USA abhängen, zu tauschen, so wären sie aus ihrer Abhängigkeit von der Amerikanischen Währungspolitik befreit. Für das Ausland wäre es dann gleichgültig, ob sich die USA mittels Inflation ihres Schuldenberges entledigen wollte. Es würde nur noch die amerikanischen Bürger betreffen. Der Dollar würde abwerten, aber im Welthandel wäre er dann vor allem nur noch der besagte Geldschleier und kein Wertaufbewahrungsmedium mehr. Wenn die USA aber zugleich nicht ihre Abhängigkeit von ausländischen Rohstoffen und Fertigprodukten reduzieren würden, so würde die Tatsache, dass ihnen das Ausland keinen Kredit mehr gibt, zu einer drastischen Abwertung des US-Dollars führen. Der dadurch entstehende Preisschock in der amerikanischen Binnenwirtschaft würde die lokale Wirtschaft schwer schädigen. Realwerte, wie zum Beispiel amerikanische Immobilien würden dann massiv an Wert verlieren. Aber Realwerte, die Amerikaner im Ausland gehalten haben, die noch ins Ausland verkauft werden können oder wie bei internationalen Konzernen, nicht so stark von regionalen Absatzmarkt abhängig sind, werden durch diese Krise nur bedingt in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die Frage ist, ob es den ausländischen Gläubigern gelingen wird, hinreichend viele Dollaranleihen gegen diese dollarunabhängigen Realwerte zu einem angemessenen Wert einzutauschen, um sich aus den amerikanischen Staatsanleihen zurück zu ziehen. Falls sie es schaffen sollten, so könnte Amerika anschließend eine schwere Krise bevor stehen. Die fehlende Nachhaltigkeit des amerikanischen Gesellschaftsmodell, die sich im Handelsbilanzdefizit nieder schlägt, zusammen mit dem unausgeglichenen Staatshaushalt wären dann die Auslöser dafür.