Zwei Momentaufnahmen, die jeden Volkswirt zum Zweifeln bringen sollten

Samstag Mittag – Ich gehe über eine belebte und sehr bekannte Einkaufsmeile in Deutschland. Plötzlich stockt der stete Fluss der Menschen um mich herum und ich stehe in einer langen Schlange mitten auf der breiten Flaniermeile. Ein paar Augenblicke später erblicke ich den Kopf der Schlange vor einem Laden. Ich befreie mich aus der Schlange, gehe an ihr entlang und gelange zum Kopf der Schlange, an dem Menschen in den Laden hinein gelassen werden. Drinnen stehen Angestellte und jubeln den eintretenden Menschen entgegen. Nein sie jubeln nicht weil sie sich freuen, sie jubeln, um den Menschen, die da herein treten, zu zeigen, wie richtig ihre Wahl war, sich in die Schlange zu stellen, lange zu warten, um dann an ihnen, diesen jubelnden Mitarbeitern, vorbei zu schreiten und um später dankbar das Produkt des Hauses gegen die Zahlung eines überhöhten Preises, der dem Unternehmen gut 40 % Gewinn ermöglicht, mit nach Hause zu nehmen. War es doch bisher üblich, dass man Mitarbeiter dazu nutzte, den Kunden möglichst gut und schnell zu seinem Vorteil kommen zu lassen, so nutzt man sie hier um den Kunden erst zu drangsalieren und dann hoch leben zu lassen. Welch verrückte Welt! Und dabei tragen die Menschen, gerade diese Produkte mit vor Stolz geschwellter Brust durch ihr Leben.
Wollen oder können wir nicht mehr eins und eins zusammen zählen?

Ein anderer Tag – In einer politische Diskussion lese ich die Bitte eines Users: „Kann mir jemand den Inhalt des Modells bitte in 140 Zeichen zusammen fassen?“ Ein paar Klicks weiter lerne ich, dass man auf Beiträge hin, die mehr Komplexität als jene 140 Zeichen erfordern, heute keine Rückmeldungen mehr erhält.

Wie soll in einer solchen Welt heute noch Demokratie funktionieren, vor allem eine Demokratie, die sich der Auflösung all jener Gepflogenheiten der kapitalistischen Marktwirtschaft stellt, die uns in diese schweren Krise hinein gebracht haben? Denn gerade hier muss man doch in die tiefen Zusammenhänge hinein schauen, die dem ganzen zugrunde liegen. Denn wären die Verfehlungen offensichtlich, dann hätten wir den Karren doch wohl nicht so konsequent in den Dreck gefahren.