Ist Griechenlands geplante Volksabstimmung ein genialer Schachzug?

Spielt Griechenlands Premier Papandreou Russisch Roulette oder zwingt er sein Volk durch die Euro-Abstimmung geschickt in die Verantwortung?

Die Suche nach der „Killer-App“, also dem was gut wirkt, aber nicht weh tut, prägt die europäische Politik. Dem Euro-Rettungsschirm liegt letztlich immer noch das Versprechen zugrunde, dass das alles den Steuerzahler nichts kosten wird. Mit jedem neu hinzukommenden Instrument steigt zwar das Risiko, dass der Rettungsschirm eben doch zu einer sehr hohen Rechnung für den Steuerzahler führen wird, aber noch ist es nur ein Risiko, wenn auch eines mit einer sehr hohen Eintrittswahrscheinlichkeit.

Wenn man sich als Politiker nicht traut, seinen Bürgern reinen Wein einzuschenken, wird man als Führung versagen. In Deutschland hat zuletzt Gerhard Schröder mit den Hartz-Gesetzen diesen Schritt gewagt.

In Griechenland könnte sich das Bestreben von Premier Papandreou, das Volk über das Euro-Rettungspaket abstimmen zu lassen, ebenfalls als ein solcher Schritt erweisen. Denn er könnte die Griechen durch diesen Schritt dazu zwingen, sich in aller Konsequenz für einen der entbehrungsreichen Wege durch die Krise zu entscheiden und damit jede zukünftige Gegenwehr untergraben. Eine Entscheidung, wie sie nun von den Griechen gefordert wird, ist die brutale Konfrontation mit den Alternativen. Bisher konnten sie in Demonstrationen und Streiks ihren Unmut bekunden. Mit der Wahl werden sie zur Auswahl unter Alternativen, mit allem was da dran hängt, gezwungen. Ich wünsche den Griechen, dass sie die Zeit bis zum Referendum nutzen können, sich der Tragweite der Wahlalternativen bewusst zu werden und weise zu entscheiden. Denn mit ihrer Entscheidung laden sie auch die Verantwortung für das, was passieren wird, auf sich. Und das ist der unausgesprochene und unangenehme Teil dieser Wahl.