Ein neuer Akt im Eurodrama

Die neusten Entschlüsse aus Brüssel werden wohl keine Wende im Eurodrama bringen. Mit dem Verzicht auf weitere Schuldenschnitte werden die Gläubiger besänftigt und zugleich die Disziplinierung durch den Markt ausgeschaltet. Statt dessen wird man zukünftig auf die Disziplinierung und die Strafmaßnahmen des Defizitsünders durch die Staatengemeinschaft setzen. Aber wenn hier die finale Eskalationsstufe – der Verlust der Finanzsouveränität an eine übergeordnete neutrale Instanz im Auftrag der Staatengemeinschaft – fehlt, so wird sie nicht ausreichend disziplinieren. Denn wenn ein Krisenstaat schon Schulden zu Lasten der nachfolgenden Generationen macht, weil seine Regierung oder seine Bürger sich nicht disziplinieren wollen, was stören da ein paar zusätzliche Schulden um die Strafen zu zahlen? Was kann selbst ein Gerichtsurteil in solch einer Situation gegen einen Krisenstaat bewirken, wenn dessen Strafe keine durchgreifende Wirkung hat? Daneben werden die Krisenstaaten wohl auch weiterhin nicht so entlastet, dass sie überhaupt den Spielraum zur eigenen Regeneration bekommen. Weil die Krisenstaaten so ihre Krise nicht bewältigen können, wird final die Umverteilung der Schulden über die Rettungsfonds und die weiteren Ergänzungen erfolgen, denn ansonsten würde man das Versprechen, auf Schuldenschnitte zukünftig zu verzichten, brechen. Damit verzichtet die Politik weiterhin darauf, die letztlich wohl unvermeidbare Vergemeinschaftung der Schulden schon jetzt vorzunehmen. Denn nur mit ihr wird wohl eine notwendige Bedingung erfüllt werden, die es den Krisenstaaten erlaubt, hinreichend viel Kraft frei zu setzen, um auch tatsächlich aus der Krise heraus zu kommen. So wird aller Wahrscheinlichkeit nach der Schuldenberg aufgrund der Handlungsunfähigkeit der Krisenstaaten weiter steigen und vielleicht final alle Beteiligten erheblich beeinträchtigen oder gar überlasten. Und genau das bilden die Drohungen der Ratingagenturen, selbst Staaten wie Deutschland in der Bonität herabzustufen, ab.